肉体液状化の恐怖 : 68年世代とナチスを結ぶファシズム身体論(<特集>身体文化)
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概要
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Lange und zum grossen Teil noch immer sind wir von der Obsession befallen, zu denken, dass Faschisten einer fremden Dimension entstammten und wir mit ihnen absolut nichts gemein hatten. Gerade darin namlich, dass sobald irgendetwas den Massenmord der Nazivergangenheit beruhrt, uns ein unausgesprochenes Gebot verpflichtet, mit bedingungsloser Verdammung zu reagieren, ist ein Charakteristikum - ein unuberwindbarer Wahrnehmungshorizont - unserer Zeit zu sehen. Weiterhin fehlen uns adaquate sprachliche Mittel zur Erklarung der psychischen Prozesse, die es ermoglicht haben, dass derart viele deutsche Soldaten ohne jegliche Gewissensbisse Massenmorde begehen konnten. Allzu oft neigen wir dazu zu vergessen, dass die sogenannten normalen Menschen, die uns umgeben, auch unter einem faschistischen Regime durchaus normal hatten leben konnen. Jedoch hat man nach dem Zusammenbruch des Naziregimes diesen ganzen Komplex verdrangt und behauptet, die Mehrheit der Deutschen sei eigentlich immer demokratisch gewesen, unglucklicherweise aber von einer Minderheit hanatischer Nazis uberrumpelt worden. Diese weitverbreitete Nachkriegsgeschichte wurde zum ersten Mal tief erschuttert, als Adolf Eichmann 1960 in Argentinien gefasst und nach Israel entfuhrt wurde. Aus Angst vor internationaler Blossstellung begann man in der Bundesrepublik plotzlich, die Tater der Nazizeit zu verfolgen. Das Ergebnis war allseits Entsetzen. Es stellte sich mehr und mehr heraus, dass es zu viele Tater gab, so dass die deutsche Justiz nur diejenigen, denen man die Beteiligung an mindestens dreistelligen Mordtaten nachweisen konnte, vor Gericht stellte. Dadurch wurde insbesondere den jungeren Leuten, die spater die 68er-Generation bildeten, unabweisbar klar, dass die durchaus 'vernunftigen, normalen Vater', die sie erzogen hatten, vor nicht allzu langer Zeit an unvorstellbaren Mordtaten beteiligt waren. Das Entsetzen wurde jedoch, wahrscheinlich weil das, was es ausloste, so peinlich war und handlungsunfahig machte, sehr schnell durch 'ideologisch vertretbare' Zielvorgaben uberwunden, dazu gehrote vor allem der Aufruf zum kristischen Angriff auf die in hohe Amter zuruckgekehrten prominenten Nazitater. Damit wurde die mit der Eichmann-Affare ins Licht geruckte Tatsache, dass, wie von Jonathan Littell anschaulich beschrieben, die Soldaten, die Massenmorde durchfuhren konnten, keineswegs perverse Sadisten waren, sondern in Friedenszeiten als verantwortungsbewusste, vernunftige Burger lebten, schell wieder verdrangt. Damals in den 60ern gab es empfindsame junge Leute wie Klaus Theweleit, die sich des merkwurdig engen und entscheidenden Zusammenhangs zwischen den das Bewusstsein der Elterngeneration pragenden Gewaltstrukturen und denen der deutschen Sprache intuitiv bewusst wurden. Diese jungen Intellektuellen versuchten zwischen 1962 und 1967 ernsthaft, eine 'zweit Sprache' zu erwerben, womit sie hofften, sich vom sowohl autoritar wie sexualfeindlich eingestellten Deutsche zu befreien. Die Hoffnung, eine vollig freie und damit undeutsche Subkultur zu errichten, wurde tragischerweise ab 1968 durch die sich stark beschleunigende Politisierung innerhalb der eigenen Reihen wortwortlich zerschmettert. Danach ist nicht zu ubersehen, dass die alte Nazisprache bei den zersplitterten und immer radikaler werdenden Gruppen problemlos wieder auflebte, wie an den von der RAF haufig verwendeten euphemistischen Redewendungen zu sehen ist. Es ist ein wichtiges Verdienst der Vor-68er, dass sie die enge Beziehung zwischen der Nazivergangenheit und der ubersteigerten Angst und Feindseligkeit der Sexualitat gegenuber entdeckt haben. Die Einsicht entspricht Michel Foucaults These, dass der traditionelle Wille zum Unwissen in der westlichen Moderne im Erbe der protestantischen Sprache in Deutschland besonders deutlich zum Vorschein kommt. Vor allem ist dies am soldatischen Korper der deutschen Manner zu erkennen, der, wie Littell und Theweleit beobachtet haben, als eine Art Panzerbildung entsteht gegen die 'flussige Bedrohung' von aussen wie von innen, namlich gegen die der weiblichen Sexualitat und die der eigenen Triebe. Es ist hinzuzufugen, dass in der hier wirksamen Vorstellung des Weiblichen auch politisch rassistische Elemente eingeschlossen wurden. Da die mannliche Angst vor der 'Deterritorialisierung', wie Deleuze und Guattari sagen, in Deutschland besonders stark wahrgenommen wurde und damit auch der starke Drang nach der 'Reterritorialisierung' ihrer Korperlichkeit, die gleichgeschaltet war mit dem deutschen Lebensraum, war jede Art von Gewalt dagegen berechtigt, was bei den 68ern schicksalhaft wiederholt wurde in dem Spruch: "Macht kaputt, was euch kaputt macht."
- 2012-03-25